27. Juli 2026
 

Cannabis – Die wichtigsten Grundlagen einfach erklärt

Seit Jahrtausenden Teil der Menschheitsgeschichte – und doch steht Cannabis heute mehr im Fokus denn je. Zwischen medizinischer Anwendung, gesellschaftlichem Wandel und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gilt es, Mythen und Vorurteilen mit Aufklärung und fundiertem Wissen entgegenzutreten.

Was also steckt genau in dieser Pflanze? Was hat es mit den gängigsten Sorten Sativa und Indica auf sich? Was sind Terpene, wie und wo wirken die Cannabinoide THC und CBD, und welche Rolle spielt das menschliche Endocannabinoid-System dabei? Dieser Artikel bietet einen verständlichen Einstieg in das Thema Cannabis – von seiner ursprünglichen Nutzung über die für die Medizin relevanten Inhaltsstoffe bis hin zu Wirkung, Risiken und Nebenwirkungen.

Was ist Cannabis?

Die kurze Antwort: Eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Das Wort Cannabis ist die wissenschaftliche Bezeichnung für das deutsche Wort Hanf, abgeleitet aus dem Lateinischen. Die Gattung innerhalb der Familie der Hanfgewächse – oder eben Cannabis – wird schon seit Jahrtausenden und in weiten Teilen der Welt als Nutz-, Genuss- und Heilpflanze verwendet. Je nach Sorte und Verwendungszweck können sich Hanfpflanzen in Bezeichnung, Inhaltsstoffen und Erscheinungsform unterscheiden.

Hanf – Eine vielseitige Nutzpflanze mit Geschichte

Die Geschichte der Cannabispflanze und ihrer Verwendung reicht Jahrtausende zurück. Sie wurde lange Zeit in Asien, Amerika, Afrika und Europa angepflanzt und vielseitig genutzt, bis die gesamte Pflanzengattung Mitte des 20. Jahrhunderts ausgehend von US-Politikern als Droge verbannt und nach und nach nahezu rund um den Globus verboten wurde.

In der jüngeren Vergangenheit ist Cannabis wegen der therapeutischen Wirkungsweise der Cannabinoide THC und CBD in den Fokus von Gesellschaft und Wissenschaft gerückt. Diese sind vor allem in und auf den Blüten der weiblichen Pflanzen der Sorten Sativa und Indica zu finden. Doch neben den Blüten dienen Hanffasern unter anderem zur Herstellung von Seilen, Textilien und Papier, und aus Hanfsamen wird wertvolles Speiseöl gewonnen.

Heute erkennen weite Teile der EU und Länder wie die Schweiz, Australien und Israel medizinisches Cannabis als Arzneimittel wieder an. Einige US-Staaten, Kanada und Deutschland haben THC-haltige Cannabisprodukte für nichtmedizinische Zwecke ganz oder teilweise legalisiert bzw. entkriminalisiert. Weltweit treiben zahlreiche Organisationen und Bewegungen die Erforschung der Wirkung, Risiken und Potenziale des Konsums von Cannabis voran.

Cannabis, Weed, Hasch – Was ist was?

Während „Hanf“ im Deutschen schlicht für die Pflanzengattung steht, gibt es je nach Kontext etliche weitere Namen für die Pflanze oder einzelne Bestandteile, z.B. Marihuana, Gras, Weed oder Hasch. Dabei bezeichnen verschiedene Begriffe nicht immer dasselbe: Marihuana steht oft für die gesamte Pflanze, Gras oder Weed in der Regel für die getrockneten Blüten, während Haschisch ausschließlich aus dem Harz der Blüten gewonnen wird.

Unterschied zwischen Cannabis Sativa und Cannabis Indica

Die zwei Haupt-Hanfarten für den Konsum als Arznei- oder Genussmittel sind Cannabis Sativa und Cannabis Indica. Die ursprünglichen Cannabissorten unterscheiden sich in ihrer Erscheinung, ihren Inhaltsstoffen sowie Anwendungsbereichen.

Quelle: VAPORMED Broschüre

Sativa-Pflanzen wachsen typischerweise hoch und schlank, die Seitentriebe recht weiträumig. Sativa-Blüten sind ebenfalls lang und schmal, genau wie die Blätter.
Historisch wurde Sativa vor allem aufgrund der robusten Fasern als Nutzpflanze kultiviert.

Quelle: VAPORMED Broschüre

Indica-Pflanzen wachsen im Vergleich kompakter und buschiger. Indica-Blüten sind meist kürzer, breiter sowie dichter als Sativa-Blüten und reifen in der Regel schneller.

Wirk- und Inhaltsstoffe

Bekannt ist Cannabis heute in erster Linie für seine natürlich wirksamen Stoffe THC und CBD. Egal ob Sativa- oder Indica-Blüte, der jeweilige Gehalt an THC und CBD variiert stark je nach Sorte, Anbau- und Erntebedingungen sowie Weiterverarbeitung. Allgemein wird Sativa eine eher geistig anregende Wirkung, Indica eine eher körperlich entspannende zugeschrieben. Um verschiedene genetische Vorteile zu kombinieren, werden heute überwiegend Kreuzungen aus beiden, sogenannte Hybrid-Pflanzen, gezüchtet. Eine eindeutige Einteilung in Sativa- und Indica-Eigenschaften ist daher für die heute gängigsten Cannabissorten als Genuss- und Heilpflanze nur bedingt möglich.

Cannabinoide und Terpene – Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Cannabispflanze

Einfach gesagt bestimmten die Cannabinoide die Wirkung, während die Terpene das Aroma der Cannabispflanze und vor allem ihrer Blüte ausmachen. Zusammen ergeben sie das individuelle Cannabinoid- und Terpenprofil jeder einzelnen Pflanze.

Was sind Cannabinoide?

Cannabinoide sind Stoffe, die in der Natur vor allem in der Gattung der Cannabispflanze vorkommen. Derzeit sind ca. 100 verschiedene Cannabinoide bekannt. Im Fokus der Forschung und Medizin stehen vor allem das Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD).

Unterschied zwischen THC und CBD

THC ist für die psychoaktiven Eigenschaften von Cannabis verantwortlich. CBD besitzt hingegen keine berauschende Wirkung, wird jedoch für seine entkrampfende und muskelentspannende Wirkung geschätzt. Wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich weiterhin mit den Eigenschaften und dem Zusammenspiel der verschiedenen Cannabinoide.

Was sind Terpene?

Bei Terpenen handelt es sich um natürliche Aromastoffe, die für den charakteristischen Duft verschiedener Cannabissorten verantwortlich sind. In Cannabispflanzen konnten über hundert verschiedene Terpene nachgewiesen werden. Gemeinsam mit den Cannabinoiden tragen sie zum individuellen Cannabinoid- und Terpenprofil einer Cannabispflanze bei.

Wirkung von Cannabis – Das menschliche Endocannabinoid-System

Die Entdeckung des menschlichen Endocannabinoid-Systems hat die Cannabisforschung revolutioniert. Bis in die 90er Jahre glaubte man, dass Cannabis womöglich eine ähnliche Wirkungsweise wie Alkohol besitzt. Heute ist bekannt, dass der menschliche Körper – ganz im Gegensatz zu Alkohol – selbst ähnliche Stoffe, sogenannte Endocannabinoide, produziert. Gemeinsam mit verschiedenen Cannabinoid-Rezeptoren und Enzymen bilden sie das Endocannabinoid-System. Es stellt ein körpereigenes Regulationssystem mit vielseitigen Funktionen dar.

Cannabinoid-Rezeptoren – Wo und wie genau wirkt THC?

CB1-Rezeptoren kommen auf Zellen im gesamten Körper und in vielen Organen wie auch dem Gehirn vor. Nimmt man THC-haltige Substanzen zu sich, z.B. beim Inhalieren verdampfter Cannabisblüten, werden die CB1-Rezeptoren aktiviert und das THC kann sich an die Rezeptoren binden. Dadurch kann sich die sensorische Wahrnehmung verändern – also Gehör, Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn – und ein Leichtigkeitsgefühl einstellen. Zudem können kognitive Prozesse, Schlaf oder Appetit beeinflusst werden.

CB2-Rezeptoren befinden sich überwiegend auf Zellen des Immunsystems. Erste Studien deuten darauf hin, dass CB2-Rezeptoren der Regulation von Immunreaktionen und Entzündungsprozessen dienen. Die genauen Wirkmechanismen sowie das Zusammenspiel einzelner Cannabinoide und verschiedener Rezeptoren sind Gegenstand intensiver Forschung.

Cannabis – Risiken & Nebenwirkungen

Unter Umständen kann Cannabis unerwünschte Wirkungen verursachen und sollte stets verantwortungsvoll angewendet werden.

Gibt es besondere Risikogruppen?

Wenngleich die psychoaktive Wirkung von THC in Cannabis von vielen als angenehm empfunden wird, kann es bei manchen ein Gefühl der Unruhe auslösen, wodurch auch Herzfrequenz und Blutdruck beeinflusst werden können. Bei Personen mit Veranlagungen zu psychischen Erkrankungen sowie Herz- und Gefäßerkrankungen sollte Cannabis daher mit Bedacht und unter ärztlicher Betreuung verwendet werden. Auch wird Schwangeren oder Stillenden von einer Therapie mit Cannabis grundsätzlich eher abgeraten.

Welche kurzfristigen Nebeneffekte kann Cannabis haben?

Typische Begleiterscheinungen unmittelbar nach dem Konsum von Cannabis können Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit sowie eine Veränderung der Gedächtnisleistung oder des Zeitgefühls sein. Diese Nebenwirkungen klingen in der Regel nach kurzer Zeit wieder ab. Für einige dieser Effekte kann sich zudem eine Toleranz entwickeln, wodurch sie subjektiv schwächer wahrgenommen werden.

Welche langfristigen Nebenwirkungen kann Cannabiskonsum haben?

Kontroverse Diskussionen werden derzeit über Langzeitauswirkungen von THC auf die geistige Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis geführt. Man geht jedoch davon aus, dass es unter normalen Voraussetzungen nur bei einem langfristigen oder früh einsetzenden Cannabiskonsum, insbesondere in der Pubertät, zu negativen Auswirkungen kommen kann. Zuletzt kann ein langfristiger, intensiver Konsum zu einer psychischen und milden physischen Abhängigkeit führen. Bei einer medizinischen Behandlung mit Cannabis ist dies jedoch bei geringen Dosierungen unwahrscheinlich.

Ist eine Überdosis Cannabis möglich?

Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist eine tödliche Überdosierung durch THC unter normalen Bedingungen nicht möglich. Eine Erklärung dafür liegt unter anderem darin, dass die Hirnregionen, die für lebenswichtige Funktionen verantwortlich sind, kaum Cannabinoid-Rezeptoren aufweisen.

Cannabis kurz zusammengefasst

Cannabis ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt und wird heute vor allem wegen seiner Blüten und des daraus gewonnenen Harzes als Arznei- und Genussmittel angebaut. Die bis heute gängigsten Arten sind Cannabis Sativa und Cannabis Indica. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen THC, CBD und Terpene, die das individuelle Cannabinoid- und Terpenprofil einer Pflanze bestimmen. Die Wirkung von Cannabis auf das menschliche Endocannabinoid-System wird weiterhin intensiv erforscht. Mit den wachsenden wissenschaftlichen Erkenntnissen und der zunehmenden Legalisierung von medizinischem Cannabis rücken das Wohl von Patienten sowie eine sachliche Aufklärung immer stärker in den Vordergrund. Denn vor allem Forschung und Bildung helfen dabei, Cannabis besser zu verstehen und einen verantwortungsvollen Umgang mit seinen Chancen und Risiken zu fördern.

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